Gaë Bolg & The Church Of Fand: "Offertorio" (2003)


Gaë Bolg & The Church Of Fand war ein Soloprojekt des Sol Invictus-Trompeters Eric Roger. Er war von Mitte der 90er Jahre bis 2005 Mitglied der Neofolkband Sol Invictus, die 1987 von Tony Wakeford gegründet wurde. Unter dem Namen Gaë Bolg & The Church Of Fand veröffentlichte Eric Roger die Alben "John Barleycorn Must Die" 2000, "Tintagel" 2001 und "La Ballade De L'Ankou" 2002. Auf dem Sampler "Sol Lucet Omnibus - A Tribute To Sol Invictus" 2002 erschien der Song "The Death Of The West" unter dem Namen Gaë Bolg & The Quarzazate Dark Consortium und auf dem Sampler "Flammenzauber" 2003 der Song "Stars We Arez" unter dem Namen Gaë Bolg & The Temple Of Doom. Ohne Beifügung, also als Gaë Bolg, hat Eric Roger weitere 4 Alben veröffentlicht, "Aucassin Et Nicolette" 2005, "Requiem" 2006, "Petite Introduction Aux Pratiques Des Gymnosophes" 2009 und "Petit Traité De Gymnosophie" 2010. Gaë Bolg ist die geheimnisvolle Harpunen-Waffe von Cú Chulainn, einer Heldenfigur aus der keltischen Mythologie Irlands. Die Harpune ist aus den Knochen eines Seeungeheuers geschnitzt. Wow! Als Gymnosophisten bezeichneten die Griechen indische Asketen, denen Alexander der Große während seines Feldzugs nach Indien in den 320er Jahren begegnet war. Neofolk ist eine experimentelle Mischung aus Folk und Industrial Music, auch die Bezeichnung Apocalyptik Folk ist dafür gebräuchlich. Oft mischt er sich auch mit dem so genannten Neuheidentum oder dem Okkultismus und bei Bands wie Death In June, Blood Axis oder Von Thronstahl neigt sich dieses Konstrukt bedenklich Richtung Rechtsesoterik und fatalistischem Sozialdarwinismus. Ja, wo Neofolk draufsteht, ist Vorsicht angebracht. Auch Tony Wakeford, der Gründer von Sol Invictus, der 1984 auch Gründungsmitglied bei Death In June war, hat in seinem bisherigen Leben so manch merkwürdigen Haken geschlagen. Als Gärtnerlehrling gehörte er der linken Socialist Workers Party an, mit 18 Jahren gründete er mit Douglas Pearce die Punkband Crisis, die bei Veranstaltungen von Rock Against Racism und der Anti-Nazi League auftrat und sich 1980 wieder auflöste. Crisis veröffentlichten einige Singles und das Minialbum "Hymns Of Faith" 1980 bei Ardkor Records. Nach dem Ende von Crisis gründeten Tony Wakeford, Douglas Pearce und Patrick Leagus die Band Death In June, die Wakeford 1984 auf Druck von Pearce verlassen musste, da seine Mitgliedschaft in der rechtsextremen National Front bekannt geworden war. Pearce, der sich inzwischen selbst zum radikalen Vertreter des fatalistischen Sozialdarwinismus gewandelt hatte und sich philosophisch rechts einordnete, lehnte den Antisemitismus und Rassismus der National Front vehement ab. Wakeford gründete nach dem Rauswurf bei Death In June die Band Above The Ruins, die das Album "Songs Of The Wolf" bei White Noise Records veröffentlichte, dem Label der National Front. Im Jahr 1987 gründete Wakeford schließlich Sol Invictus und begann sich von seinem Kontakten zur rechten Szene mit Nachdruck zu distanzieren, wobei er von Teilen der Neofolk-Szene noch immer eher rechts verortet wird. Hier gehts aber eigentlich um Eric Roger, über den ist nicht viel Biografisches zu finden, er wurde 1969 irgendwo in Frankreich geboren und lernte ab seinem 6. Lebensjahr Trompete spielen. Über sein Projekt Gaë Bolg sagt Eric Roger in einem Interview: I like trumpets and drums, that's all. Auf seine Zusammenarbeit mit Tony Wakeford angesprochen sagt er in einem anderen Interview: I met him around some years ago through Yann Farcy of the French label Noise Museum, who organised at the time a very nice festival in Nevers. Tony needed for the concert someone to do orchestrations, arrangements, scores and organising rehearsals with classical musicians, what I did. It was the beginning of an around 10 years collaboration. On one side, I definitely don’t understand the fact of 'doing denunciation', which has more to do with the attitude of the 'collaborators' during the WWII than with the attitude of people who pretend to defend democracy. In the other side, I absolutely agree that people have definitely the right to protest, especially with a scene which is well known to vehicle many dodgy ideas, topics, imagery and ambiguity and which seems to be a good place for the rebirth of ideas we would like to see definitely engraved in the past. Personally speaking, I don't want to have anything to do with right wing, fascism or all this form of stinky ideas and smelly ambiguity, and I absolutely understand that some people protest against bands which can defend those ideas, or who're hidden in the shadow of ambiguity. I just think that Tony is not the good target and that anyway 'denunciation' is not a democratic attitude! Personally, if I think that a band is dodgy, I just boycott it! Und auf die Frage, ob seine Version des Sol Invictus-Songs "Death Of The West" eine Parodie sei, antwortet er: I'm clearly a humanist and a pacifist. I strongly believe that the future of human race is in friendship and exchanges between all the different cultures and people of the world, and not in ultra-liberalism, individualism, extremism ans nationalism of any sort. This is what I've tried to transcribe in this 'free interpretation' of this song, more than anything parodic. Michael We. schreibt auf nonpop.de über Gaë Bolg: Sicher, man muss Gaë Bolg nicht mögen. Pathos kippt Eric Roger mit seinem Projekt oft gleich wannenweise über den Hörer aus. Die Liveshows erinnern an hampeliges Laientheater und musikalisch können die Sprünge von Album zu Album gewaltig sein, was sowohl für die Qualität als auch für die Stilrichtung gilt: Zwischen martialisch-wuchtigem Trash und purem, mittelalterlichen Minnesang ist alles möglich. Ganz ernst nehmen kann man den Ex-Trompeter von Sol Invictus bei all dem nie. Tut er vermutlich auch selbst nicht, was das aktuelle Cover wieder nachdrücklich beweist: Herr Roger in die Landschaft vervielfältigt, bekleidet mit einem rituellen Bademantel, der in Großaufnahme einen Blick auf die Brusthaare zulässt. Dazu grellrosa Bonbonschrift auf dem Cover. Der Martial-Neo-Klassik-Folk-Gary Glitter. Der Song "Offertorio" ist auf dem Album "Tintangel" zu finden, das 2001 als LP beim Label Le Cluricaun erschienen ist. Auf dieser LP waren aber keine Songtitel angegeben, die erfuhr man dann erst auf der 2003 bei Dysphorie Records erschienenen CD-Ausgabe des Albums, da sind aber 2 Songs mehr drauf. Egal. "Offertorio" ist bereits auf der 2001er Ausgabe enthalten, nur wusste man da noch nicht, das es sich um "Offertorio" handelt. Neben Gaë Bolg alias Eric Roger (Vocals, Trumpet, Cornet, Flute, Piano, Tambourine) sind auf diesem Album noch die Musiker*innen Noria Jorinav (Vocals), Stéphane Collange (Flugelhorn) und Aline Tergny (Saxophone) zu hören. Eric Roger hat auch unter den Pseudonymen Seven Pines und Silver Lady einige Alben veröffentlicht und als Remixer nennt er sich La Nef des Fous. Das Offertorium ist ein liturgischer Gesang zur Gabenbereitung bei der heiligen Messe. Während des Offertoriums werden die Gaben Brot und Wein zum Altar gebracht und mit dem Klingelbeutel Geld gesammelt. Okay, Schluss mit der Church Of Fand, so einen langen Eintrag hat sie sich eigentlich gar nicht wirklich verdient, haha. Oh, bevor ich vergesse, Fand ist ebenfalls eine Gestalt aus der keltischen Mythologie Irlands, sie ist eine Meeresgöttin, aber auch Königin der Elfen und überhaupt die schönste aller Götinnen. Wow! Amen!! Good night!!!

05.09.2026