Diamanda Galás: "I'm So Lonesome I Could Cry" (2003)


Nochmals Diamanda Galás, yeah. Hear that lonesome whippoorwill / He sounds too blue to fly / The midnight train is whining low / I'm so lonesome I could cry. Der Song "I'm So Lonesome I Could Cry" wurde von Hank Williams geschrieben und 1949 bei MGM Records als Single veröffentlicht, auf der B-Side befindet sich der Song "My Bucket's Got A Hole In It". Hank Williams schaffte es mit dem Song auf Platz 2 der US-Country-Charts. Elvis Presley sang den Song 1973 bei seinem berühmten Konzert Aloha from Hawaii, das via Satellit in über 40 Länder in Europa und Asien übertragen wurde. I'd like to sing a song that's probably the saddest song I've ever heard. Mit diesen Worten kündigte Elvis Presley "I'm So Lonesome I Could Cry" an. I've never seen a night so long / When time goes crawling by / The moon just went behind the clouds / To hide its face and cry. Der Song wurde oft gecovert, u.a. von Johnny Cash, Tommy James & The Shondells, Cowboy Junkies, The Residents, Hasil Adkins, Yo La Tengo oder Cassandra Wilson. Alle sind durchaus hörenswert, aber keine dieser Interpretationen kommt wirklich ans Original heran, außer Diamanda Galás. Yeah! Sie singt den Song live im Vogue Theater in Vancouver und begleitet sich dazu am Piano. Zu finden ist die Aufnahme auf dem 2003 bei Mute Records erschienenen Album "La Serpenta Canta", das Livemitschnitte aus den Jahren 1999 bis 2002 versammelt. Auf diesem Album gibt sie auch 2 sogenannte Traditionals zum Besten, "Ain't No Grave Can Hold My Body Down" und "See That My Grave Is Kept Clean". Von "Ain't No Grave Can Hold My Body Down" gibt es auch eine tolle Version von Sister Rosetta Tharpe, die 1946 oder 1947 bei Brunswick Records erschien. Ja, und von "See That My Grave Is Kept Clean" empfehle ich euch noch die Versionen von Blind Lemon Jefferson, Lightnin' Hopkins, Kaiji Haino, Mavis Staples und Laibach. Did you ever see a robin weep / When leaves begin to die / That means he's lost the will to live / I'm so lonesome I could cry. Diamanda Galas hat ein gutes Händchen, was die Auswahl der Songs betrifft, die sie neu interpretiert. Besorgt euch das tolle Buch "Angry Women - Die weibliche Seite der Avantgarde" von Andrea Juno, es ist 1997 beim Hannibal Verlag erschienen. Darin ist auch ein Interview mit Diamanda Galás enthalten. Diamanda Galás: Ich versuche, mein Leben im Einklang mit meinen politischen Überzeugungen zu leben, ich werde nicht sagen: 'Ich möchte eine Familie, wie alle anderen auch, weil meine Kinder natürlich etwas ganz Besonderes sein werden.' Darauf scheiße ich - ich hol mir ein paar Goldfische und Katzen und die sind dann etwas ganz Besonderes! Jede Hexe hat Katzen - man hat noch nie von einer Hexe gehört, die Kinder hatte! Weitere Interviews gibt es mit Jarboe, Tribe 8, Valerie Agnew, Kathleen Hanna, Kathy Acker, Annie Sprinkle, Linda Montano, Valie Export, Lydia Lunch, Joan Jett und Chrissie Hynde. Andrea Juno: In den frühen Siebzigern, als ich ein Teenie war, geriet ich per Zufall beim Blättern in einem Plattenfach an ein Album der Gruppe Fanny. Auf dem Cover war ein nüchternes Schwarzweißfoto, das vier schlicht und stark aussehende, aber trotzdem attraktive Hardrock-Frauen zeigte, was zu der damaligen Zeit etwas völlig Neues war. Frauen durften singen, aber es war ungewöhnlich für sie, Schlagzeug oder Leadgitarre zu spielen und ihre eigenen Songs zu schreiben, ohne als Pin-up-Girls dargestellt zu werden. Fanny trotzten dem aufgedonnerten, künstlichen Ideal der Gesellschaft, das zum Ergötzen männlicher Zuschauer aufgebaut und konstruiert worden war. Sie zeigten eine Selbstsicherheit, eine selbstdefinierte Sexualität und Libido, die ohne die typischen Beschränkungen und Manipulationen auskam. Das Buch findet man im Netz noch zum Bestellen, sogar recht günstig. The silence of a falling star / Lights up a purple sky / And as I wonder where you are / I'm so lonesome I could cry. Okay, die Version des Songs von Carla Thomas finde ich auch sehr sad and charming. Hörft, hört.

13.07.2026