Ilse Kilic:
L5/S1
AUS DER KRANKHEIT EINE WAFFEL MACHEN!
1995, 100 Seiten, öS 150.- / Euro 10,90
3-901233-10-6

erschienen im und zu bestellen bei
EDITION DIE DONAU HINUNTER
1071 Wien, Postfach 409
Tel/Fax: (01)522 21 47


 

dazwischen (leseprobe)

vom dürfen und nichtdürfen (die grenzen des guten geschmacks): auch wo der zusammenhang nicht offensichtlich ist, läßt sich mitunter einer konstruieren. darf ein text über meine bandscheibenoperation überhaupt mit irgendwelchen worten beginnen? oder willst du (ich) nur sagen, daß es dir schlecht geht, aber dafür hat man doch freunde und freundinnen, dafür geht man in eine psychotherapie und jemand sagte irgendwann, jede krankheit hat auch ihr gutes, etwa lernprozesse, dann hüpfte dieser jemand gesund davon und ich konnte nicht umhin zu denken, nicht verstanden worden zu sein, es gibt hüpfende wesen, was nicht heißt, daß verstehen eine hilfe bedeutet, die lebensberatungssymphonie, darf ichs wagen, darf ich klagen, der autobiografische schmarrn, jemand spricht im nebenzimmer über jemanden, der autobiografisches schreiben am liebsten ganz scharf zensuriert, also die sätze die offensichtlich, aber woher soll er das wissen, die verwendung des persönlichen fürwortes in der ersten person ist noch kein indiz, neinneinnein.
mein bewußtsein wäre nicht in der lage, soviele fenster zu öffnen, wie mein geschätzter computer, mein geschätztes anwendungsprogramm, gedankenflucht kann eine folge von LSDgenuß sein, mein sorglosigkeit der früheren tage lacht hämisch zum fenster rein, sicherlich kann man auch blödheit dazu sagen, jetzt wäre ich gar nicht mehr dazu in der lage, die vielen unmöglichen jobs, die ich mir durch den kopf gehen lasse in der erinnerung